Alle Blicke sind jetzt auf den Hund gerichtet: Mit dem Anlegen der so genannten Kenndecke durch ihr Herrchen Christof Fischer weiß Mira, dass es jetzt ernst wird. Sie muss einen Menschen suchen. Sonja Kensy hält den Lageplan, Steffen Peter ist für die medizinische Erstversorgung zuständig. Fotos: Fischer
Von Wilhelm Ditzel
Kassel. Freitagabend, 20.30 Uhr. Über dem Bergpark Wilhelmshöhe geht ein Regenguss nieder. Die Wege sind aufgeweicht. Zwischen Fontänenteich und Herkules trübt Nebel die Sicht.
Doch für widrige Wetterumstände haben Christof Fischer, Steffen Peter, Sylvia Severin, Sonja Kensy sowie Anja und Uschi Hoche kein Auge. Sie sind die ersten Mitglieder der Hunderettungsstaffel Nordhessen, die in der provisorischen Einsatzzentrale im Marstall eingetroffen sind. Im Bergpark irren vermutlich 15 geistig behinderte Menschen umher. Was mit ihrem Betreuer ist, weiß keiner.
Was sich dramatisch anhört ist zwar in Wirklichkeit nur eine Übung, doch alles, was jetzt geschieht, würde in der Realität genauso ablaufen.
20.35 Uhr: Vom Einsatzleiter - der einzigen Person, die bei dieser Übung weiß, wo die "Verletzten" liegen und wie viele es sind - erhält Hundeführer Christof Fischer eine Karte des Bergparks, auf der eine Fläche zwischen Fontänenteich und Löwenburg schraffiert ist. In diesem Areal muss er suchen.
Zehn Teams suchen
Auf der Karte seiner Kollegin Sylvia Severin, die 28-Jährige ist von Beruf Bürokauffrau, ist ein anderes Gebiet eingezeichnet. Im Laufe des Abends werden zehn Teams das Bergparkgelände in ihren jeweiligen Arealen durchforsten.
Fischer und Severin machen sich mit ihren Hunden Mira und Tobi sowie je zwei Helfern auf den Weg zum Suchgebiet. Ein Helfer trägt den Rucksack mit Utensilien für die medizinische Erstversorgung, der andere liest die Karte und hält den Kontakt zur Einsatzleitung.
20.50 Uhr: Am Rande des Suchgebiets angekommen, bekommt Mira die Kenndecke angelegt. Jetzt weiß sie, dass sie jeden fremden Menschen, den sie ausmacht, anbellen muss. So wurde es immer wieder trainiert. Immer der Nase nach hetzt sie jetzt durchs Unterholz.
21.15 Uhr: Mira wirkt nervös, rennt durch dichtes Gestrüpp plötzlich einen Hügel hoch und bellt. Fischer und sein Team stürzen hinterher. In einer Mulde liegt der gesuchte Betreuer der Gruppe. Er ist vermutlich unterzuckert, kann aber noch sagen, wie viele Mitglieder zu seiner Jugendgruppe gehörten.
21.18 Uhr: Während Jens Engelke, der das Opfer spielt, von Steffen Peter in eine vorteilhaftere Liegeposition gebracht wird, gibt Sonja Kensy den Fundort sowie weitere Informationen an die Einsatzleitung durch. Erst jetzt weiß man, dass man "nur" neun Personen suchen muss. Die Teams erhalten Anweisungen. Nur drei Minuten später trifft der Krankenwagen ein. Ähnliche Szenen wiederholen sich bis 23 Uhr an vielen Stellen im Bergpark. Dann wird auch der letzte Vermisste ins vom THW und ASB errichtete provisorische Lazarett im Marstall eingeliefert.
Die Hundeführer haben ihre Tiere mit Pansen für die gute Arbeit belohnt und diskutieren mit den Teams den Ablauf des Abends. Fazit: In der Koordination zwischen den Teams gab es Mängel. "Doch diese zu erkennen und zu optimieren", so Fischer, "dafür sind solche Übungen ja da."
Es wurde angenommen das sich eine Besuchergruppe Geistigbehinderter Menschen von max. 15 Personen (genaue Zahl der Vermissten ist zu Beginn nicht bekannt) aufgrund einer Bewusstlosigkeit des Betreuers, verlaufen hatte.
Die Betreuungsperson ist Zuckerkrank und erlitt einen Zuckerschock, erst nachdem dieser behoben wurde, konnte der Betreuer genaue Angaben über die Zahl der Vermissten Personen geben.
Dieser Übung wurde von der Rettungshundestaffel des Deutscher Rettungshunde Verein kurz DRV Rettungshundestaffel Nordhessen e.V.geplant und ausgerichtet, diese waren mit 5 Rettungshunden vor Ort.
Des weiteren war die Rettungshundestaffel des DRV Werra Meißner mit 4 Rettungshunden vor Ort.
Nachdem die Vermissten, durch die Rettungshunde geortet wurden, mussten diese durch die Rettungshundeführer erstversorgt werden , da sich ein Teil der Vermissten erheblich verletzt hatte.
War dieses erfolgt, werden die Verletzten durch einen Rettungswagen des ASB Kassel zu einer Verletztensammelstelle gebracht, wo diese dann weiter versorgt wurden, dieses geschieht durch die Jugendgruppe des ASB Kassel.
Insgesamt sind an der Übung über 60 Personen beteiligt.
Ich möchte mich hiermit bei allen bedanken die bei dieser Übung teilgenommen haben, mein besonderer Dank geht an die "Verletztendarsteller" die bei diesen Witterungsverhältnis mehr als 2 Stunden ausharren mussten.
Danke an die Museumslandschaft Hessen Kassel ohne die diese Übung nicht möglich gewesen wäre.